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Als die Wörter tanzen lerntenAls die Wörter tanzen lernten
Als die Wörter tanzen lernten
Autor: Steinig, Wolfgang

Als die Wörter tanzen lernten

Ursprung und Gegenwart von Sprache

2006. 456 S. Br.
ISBN: 978-3-8274-2088-6

12,95
Lieferbar, versandfertig in 3 Tagen
Das Buch
Wie und warum entstand Sprache? Warum wurden Wörter und Grammatik notwendig? Hat sich "der Aufwand gelohnt"? Welche Anpassungsvorteile brachte Sprache mit sich? In welcher Weise bedingen Sprache und Kulturevolution einander? Findet man in heutigen Sprachen Spuren, die auf ihren Ursprung schließen lassen? Warum scheitern wir im Alltag so oft an unseren Formulierungen? Warum hören und sagen wir nicht das, was eigentlich gemeint war? - So viele Fragen, die sich jedem, der über Sprache und Sprechen nachdenkt, stellen könnten, die aber bislang noch nicht befriedigend in einem schlüssigen Denkrahmen beantwortet wurden. Wolfgang Steinig macht sich daran, diesen und zahlreichen weiteren Fragen auf den Grund zu gehen und mit einer neuen Theorie zu beantworten - keiner grauen Theorie, sondern einer Sicht auf Sprache, die mit zahlreichen Beispielen aus dem heutigen Sprachleben illustriert ist. Seine facettenreiche - linguistisch-anthropologisch-biologisch-psychologische - Darstellung schlägt einen weiten Bogen: von den anatomischen, soziobiologischen und ökologischen Ursprüngen von Sprache über die Entwicklung der Schrift bis hin zu aktuellen pädagogisch-didaktischen Aspekten wie Rechtschreibreform, Mehrsprachigkeit, Fremdsprachenerwerb und Medienkompetenz. Ein zentrales Element des mit Witz und Eleganz geschriebenen Buches ist die Anwendung des „Handicap-Prinzips“ auf die menschliche Sprache. Diese Spur führt den Autor zu einer verblüffenden Annahme: Die Entwicklung des Tanzens in der frühen Menschheitsgeschichte hängt unmittelbar mit der Evolution von Grammatik zusammen - die Wörter mussten gewissermaßen das Tanzen lernen, um ihren Siegeszug als einzigartiges und höchst variables Kommunikationsmittel anzutreten.
Aus dem Inhalt
Zum Beginn
1. Ein Anfang mit Handicaps
Linguistik und Biologie - Evolution und Selektion - Sprachwandel und der Kampf ums Dasein - Das Handicap-Prinzip - Sexuelle Selektion - Sprachliche Normen - Wozu taugt eine komplexe Sprache? - Kommunikation bei den Eipo - Seinen Platz behaupten - Zuverlässigkeit von Signalen
2. Selektion von Signalen
Verständigung und mehr - Akzeptanz, Missbrauch und Täuschung - Sprache und Geld - Standardisierung und Vergleichbarkeit - Natürliche Selektion und Signalselektion - Wörter mit hohen Signalkosten - Beurteilung von Sprechern - Qualitäten von Hominiden - Egoismus und Altruismus
3. Verschlungene Wege zum Menschen
Der aufrechte Gang - Mehrfacher Exodus aus Afrika - Homo sapiens - Große Köpfe - Wandlungen im Verhältnis der Geschlechter - Sex für Fleisch: Domestizierung der Männer - Kontrolle sexueller Begierde - Grabbeilagen und Brandopfer - Höhlenzeichnungen und Jagdmeditationen - Illusionstheater mit rotem Ocker
4. Als die Wörter tanzen lernten
Tierische Kommunikation und Sprache - Das Baukastenprinzip - Rekursivität - Tanz auf zwei Beinen - Beschränkungsregeln - Vom Tanz zur Grammatik - Sätze in Baumkronen
5. Grammatik und Semantik kommen ins Spiel
Vom Tanz zur Musik - Von der Musik zur Sprache - Die Alten mischen sich ein - Grammatik kommt in den Alltag - Namen und Bezeichnungen - Entwicklung der Alphabetschrift

6. Sprachliche Fossilien
Mit der Zunge schnalzen
Klang und Aussprache von Klicks - Alte Völker im Süden Afrikas - Von protosprachlichen Lautclustern zur komponentiellen Silbenstruktur
Stimmen im Kopf
Fossilien ritueller Sprache - Kognition des Bewusstseins
Reden Gespräche und Denken
Die allmähliche Verfertigung der Gedanken in Gesprächen und Reden - Die Integration von Gespräch und Rede - Denken und Sprechen
7. Ritual und Sprache
Warum Rituale? - Bedeutsame Signale mit geringer Bedeutung - Mantras - Religiöse Texte - Risiken beim Kontakt mit dem Heiligen - Kosten und Handicaps von Ritualen - Sprachpflege - Sprache in Ritualen und im Alltag
8. Grammatik für Gespräche
Gespräche bei einem Klassentreffen - Sich lausen, singen und Gespräche führen - Passende Anschlüsse - Die Sequenzierung von Gesprächen durch Grammatik- Fragen und Befehle - Sein Rederecht behaupten
9. Essen und Sprechen: Risiken in Mund und Rachen
Sich verschlucken - Präzise Bewegungen in Mund und Rachen - Flirts beim Essen
10. Homo didacticus
Der Wunsch, es allen zu zeigen - Zeigende Wesen - Immer höflich und zum Flirt bereit - Weitergabe nützlicher Informationen - Statusgewinn durch gut verpackte Informationen - Wahrheit und Fiktion - Kommentare zu Informationen - Sprachliche Kostenerhöhung
11. In Kinder und Sprache investieren
Hilflose Traglinge -Ein akustisches Band - Elterliche Didaktik - Gute Mütter und Väter sind gefragt - Partnerwahl im Patriarchat
Zum Schluss
Autor | Herausgeber
Wolfgang Steinig ist Professor für Germanistik an der Universität Siegen. Zuvor hat er an Universitäten und Hochschulen in Großbritannien, Griechenland und den Niederlanden sowie in München und Heidelberg gearbeitet. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Soziolinguistik, Deutsch als Fremdsprache, Sprachdidaktik und Schreibforschung.
Rezensionen
Als die Wörter tanzen lernten, entstand die Sprache - zumindest stützt sich Steinig auf Spekulationen, die in den Regeln von Tänzen Parallelen zu grammatikalischen Strukturen sehen. Das ist freilich nur ein Aspekt. Anatomische Randbedingungen, (...) auch Flirt und Betrug, Wahrheit und Fiktion (...) sind weitere Facetten dieses spannenden Buches.
Im Paradies der Bücher, 5. Oktober 2007
Insgesamt erzählt Wolfgang Steinig eine spannende und plausible Geschichte davon, wie unsereiner zur Sprache kam (...). "Als die Wörte tanzen lernten" ist schon deshalb keine Bettlektüre, weil es seinen Leser anregt. Und sei es nur dazu, den eigenen Redestrategien auf die Schliche zu kommen.
Leonardo, 13. Juli 2007
Ein lesenswertes Buch ... sehr positiv zu würdigen, zeigt es doch, dass Sprachwissenschaft ganz wesentlich eine interpretative Wissenschaft ist, die sich an ein gebildetes und angestrengt mitdenkendes (und gelegentlich zum Scherzen und Schmunzeln aufgelegtes) Publikum richtet, und nicht an LeserInnen, die bloß Fakten zur Kenntnis nehmen möchten, für deren Ermittlung man den Methoden unverständlicher wisssenschaftlicher Experten vertrauen muss (die noch dazu notorisch im Streit miteinander liegen). In diesem, besten, Sinne hat Wolfgang Steinig ein philo-sophisches Buch geschrieben.
Osnabrücker Beiträge zur Sprachtherapie
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