Energiepolitik: Jedes Jahr ein neues Japan in China

25.08.2005
Podiumsdiskussion "Energie für die Zukunft - Strukturwandel als Chance"
Jürgen Trittin über "technische Schätzchen" und "flackernde Glühbirnen in Papenburg"
Wiesbaden, 25. August 2005. Im sommerlich warmen Berlin diskutierten vergangenen Montag renommierte Experten ein heißes Wahlkampfthema: Welche politischen Konzepte bewegen die großen Energiekonzerne zum Umdenken? Rund 150 fachkundige Gäste debattierten in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften mit
Jürgen Trittin (Bundesumweltminister),
Fritz Vahrenholt (REpower Systems AG),
Felix Matthes (Öko-Institut) und
Olaf Preuß (FTD).
Britta Fecke, Umweltjournalistin beim DeutschlandFunk und Moderatorin umschrieb die Brisanz der Thematik mit dem rasant steigenden Energiebedarf der chinesischen Boomtowns: Bezogen auf den Energieverbrauch entsteht dort jedes Jahr ein neues Japan. Die Podiumsdiskussion war eine Initiative des Gabler Verlags, der Financial Times Deutschland und der Heinrich-Böll-Stiftung anlässlich der Neuerscheinung
von
Olaf Preuß aus dem Gabler Verlag. finden Sie eine Fotogalerie und einen Live-Mitschnitt.
Eine positive Bilanz in Sachen Energiepolitik zog erwartungsgemäß der wahlkämpfende Umweltminister Jürgen Trittin: Unternehmen verhielten sich nur rational, wenn Sie durch politische Rahmenbedingungen dazu gezwungen würden. Diesen Zwang habe die grüne Regierungspolitik erfolgreich ausgeübt, so der Umweltminister. Gleichermaßen betonte Trittin die allgemeine Vorreiterrolle Deutschlands in diesem Sektor: Deutschland ist die einzige europäische Nation, die einen explosionsartigen Anstieg beim verkehrsbedingten CO2-Ausstoß vermeiden konnte. Weiterhin ist Deutschland im internationalen Wettbewerb führend bei der Entwicklung technischer Innovationen in diesem Bereich. Nicht zuletzt hat diese Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit auch das Interesse ausländischer Investoren geweckt und den Investitionsstandort Deutschland attraktiv gemacht. Ganz Wahlkämpfer formulierte er dann gewohnt ironisch: " Technische Schätzchen wie Biblis oder Brunsbüttel sind also völlig überflüssig. Und aufhören müssen endlich auch die Gerüchte von der unzureichenden Versorgungssicherheit bei alternativen Energien." In seiner Heimatstadt Papenburg stamme knapp 70 Prozent aus Windkrafträdern. Über flackernde Glühbirnen oder kaltes Wasser beim Duschen hätte seine Mutter aber noch nie berichtet.Für eine übergangsweise Nutzung der Kernenergie plädierte Professor Fritz Vahrenholt, Vorstandsvorsitzender des Windkraftanlagenherstellers REPower Systems: Es sei ein Irrtum zu glauben, dass der Energiemarkt innerhalb von 20 Jahren komplett auf erneuerbare Energien umgestellt werden könnte. Ein neuer Konsens sei nötig, der die Energiewirtschaft unabhängiger vom Import fossiler Energieträger mache und konkrete Antworten auf den Klimawandels gebe. Deutlich rügte er die unklaren Aussagen der CDU zu diesen Fragen: "Frau Merkel muss endlich konkret sagen, was nach 2020 sein wird."
Für ein energieeffizienteres Verhalten auf allen Ebenen sprach sich Felix Christian Matthes vom Öko-Institut aus. Das sei aber sehr schwierig zu vermitteln, da sich Investitionen hier erst langfristig auswirkten. Matthes prognostiziert für die Zukunft: "2020 wird es eine völlig andere Debatte geben. Dann haben wir nämlich einen Massenmarkt für Erneuerbare Energien. Und der muss gemanagt werden." Deshalb fordert er unterschiedliche und adäquate Ansätze und einen sehr viel differenzierteren Diskurs.
Mit betriebswirtschaftlichen Argumenten Olaf Preuß ins Feld: Eine Umsteuerung fängt erst dann an, wenn die Nachfrage der Kunden sinkt. Im Falle eines Wahlsiegs der CDU rechnet Preuß mit einem schweren Rückschlag. Die künftige Gestaltung der Energiepolitik sieht er als Schicksalsfrage für die internationale Staatengemeinschaft.
Einig war sich das Podium jedoch in der faktenreichen Darstellung der Hintergründe und der aktuellen Debatte im Buch
Energie für die Zukunft von
Olaf Preuß, die im Schlusswort des Ministers gipfelte: "Kaufen Sie einfach dieses hervorragende Buch von Olaf Preuß aus dem Gabler Verlag!"
Der
Gabler Verlag mit Sitz in Wiesbaden ist ein Unternehmen der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media, Berlin.